Die Frau im Heiligen Rock

Autor: Michael Dietz

 

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-.-

Abbé Casti (1804, † 1803).

386 Seiten.

Ansehnlicher Prototyp vorzeigbar.



 

Da dieser Roman ursprünglich aus einer Zeit der Unfreiheiten, besonders der gesellschaftlich verschlossenen Zeit stammt, ist diese Anmerkung wichtig. In einigen rezensorischen Werken vor unserer heutigen Zeit wird der Roman als „delikat“ oder „pikant“ eingestuft. Das war damals vielleicht angeraten, da die Gesellschaftsentwicklung nicht so weit war wie heute. Aber die Menschen sind offener geworden, gesellschaftliche Schranken sind gefallen. Die damals revolutionäre Offenheit der Frauenbetrachtung war außergewöhnlich – außergewöhnlich vor allem, daß die Frau an sich und die Frau mit ihren Gefühlen in den Mittelpunkt gerückt wurde. Heute würde man das „Feminismus“ nennen, „Freizügigkeit“ auch, positivistisch könnte man das sogar fast schon als „natürlich“ bezeichnen. Das, was damals vielleicht als „anrüchig“ eingestuft wurde, gilt heute als normal. Schlagen Sie die tägliche Boulevardpresse auf, drehen Sie den Fernsehapparat an, gehen Sie im Sommer an der Isar oder der Spree spazieren – um nur einige, wenige Beispiele zu nennen – Haut zu sehen, ist an der Tagesordnung, und keiner macht sich nur einen Gedanken darüber. Die Gesellschaft ist freizügig geworden. So paßt sich dieser Roman wie selbstverständlich in die heutige Zeit ein. Und daher ist es opportun, ihn – zudem noch ein bißchen aufpoliert – sozusagen wiederzuveröffentlichen, weil er eben nicht mehr „delikat“ oder „pikant“ ist, sondern ganz und gar unserem heutigen Zeitgeist entspricht. Und eine Sache muß noch gesagt werden: die gesamte Handlung, ja auch die damals verrufenen Stellen, nehmen keinerlei anzügliche Worte in den Mund, sprechen sie nicht aus. Alles passiert in des Lesers Geist. Was man sich beim Lesen denkt, dafür ist der Autor selbstverständlich nicht verantwortlich. Das geradezu Amüsante an diesem Roman ist, daß die Gedanken des Lesers subtil geführt werden, direkte Verbalisierung gar nicht stattfinden muß – und damit der Roman sozusagen eine Harmlosigkeit aufweist, von der die heutigen Medien und zahlreiche andere Romane weit entfernt sind. Betrachten Sie, lieber Leser, die Sache so, daß diese große Frau der Weltgeschichte, die Päpstin Johanna von Ingelheim, endlich einmal aus einer anderen Perspektive dargestellt wird – denn sie war eine Frau und hat es verdient, eine Frau und ein Mensch mit Gefühlen zu sein.




Johanna, Tochter eines englischen Priesters und seiner irischen Begleiterin, wird im Jahre 813 in Mainz geboren. Sie genießt eine gute Ausbildung und wegen Ihrer Schönheit und Gelehrtheit eine große Schar von Bewunderern. So auch den Fuldaer Mönch Gernot, der sie mit ins Kloster Fulda bringt. Wegen Differenzen mit dem dortigen Abt Rhabanus reisen sie aber bald nach Athen – für weitere Bildung und für eine ungestörtere Zweisamkeit. Jedoch trennen sich ihre Wege. Gernot macht sich zu Studien auf nach Bagdad. Johanna geht nach Rom, mit 24 Jahren wird sie Priester, Professor, und Schützling von Papst Sergius II. sowie dann von Papst Leo IV. Nach dessen Tod erhebt man sie zum Papst, im Jahr 855 und im Alter von 42 Jahren. Zunächst ein geschätzter Wohltäter und Regent, wird sie dem Ende der Aufstiegsleiter aber bald überdrüssig. Es ergibt sich, daß der Prälat Baldello aus Perugia in ihr Leben tritt. Johanna macht ihn zum Bischof, schließlich zu ihrem Privatdiener. Sie erliegen ihren gegenseitigen Reizen und genießen schöne Tage – und Nächte – was nicht ohne Folgen bleibt. Plötzlich bittet dann auch noch ihr früherer Geliebter Gernot um eine Audienz…
 
Dieser spannende historische Roman über die Päpstin Johanna aus Ingelheim war ursprünglich ein Gedichtsepos in Achtelreimen – aus Italien, dann England, dann Frankreich. Hier liegt er nun als Prosa vor – in deutsch – ohne und mit Kommentar, ganz nach Lesevergnügen. Für sprachlich Interessierte sind zusätzlich alle vier Sprachvarianten nebeneinander dargestellt. Und für tiefergehend historisch Interessierte gibt es eine Vielzahl an Erläuterungen zu den mannigfaltigen klassischen Begriffen und Anspielungen innerhalb des Textes. Auch kommt die Rezeptionsgeschichte des Päpstin-Mythos nicht zu kurz. Mit aufschlußreichen Zusatzinformationen, einem kleinen thematischen Lexikon, und einer kartographischen Darstellung der Reisen Johannas.


Nach den Sachsenkriegen bestellt Karl der Große viele Priester und Geistliche aus der ganzen Welt zu sich, um die Heiden zu bekehren. Auch ein Pastor aus England geht zusammen mit seiner schwangeren, irischen Frau Ildegard nach Deutschland. Im Jahre 813 kommt sie in Mainz nieder und bringt eine Tochter, Johanna, zur Welt. Johannas Vater bildet sie in Wissenschaften und Sprachen aus und sie erlangt sehr rasch beeindruckende geistige Fähigkeiten. Unzählige Verehrer kommen, sie zu bewundern.
 
Unter ihnen ist auch der junge Mönch Gernot aus Fulda, mit dem sie dann das Elternhaus verläßt und als Mann verkleidet ins Koster Fulda geht. Sie wohnen dort in holder Zweisamkeit für knapp zwei Monate. Um aber den Einengungen durch den Abt Rhabanus zu entgehen, verlassen Sie das Kloster rasch.
 
Sie streifen durch Deutschland und Italien, und kommen schließlich mit dem Schiff in Piräus nach Griechenland, das den antiken Glanz verloren hat, aber in Athen doch noch Bildungsmöglichkeiten bietet. Zwölf Jahre lang vertreiben sie sich neben fleißigen Studien die Zeit mit intensiven Liebesspielen. Und schließlich, fünfzehn Jahre nach ihrem Kennenlernen in Ingelheim trennten sie sich – auf der Suche nach Neuem.
 
Gernot fährt von Piräus aus zunächst nach Byzanz, dann über verschiedene ägäische Inseln nach Rhodos, Kreta und Zypern, und schließlich nach Alexandria. In Ägypten besucht er Memphis und Theben und auch die Pyramiden. Dann den Istmus, Phönizien, Tyron und Sidon, auch Palästina. In Jerusalem besichtigt er die heiligen Stätten, dann geht er über den Tigris nach Bagdad, wo er bleibt und weiter studiert.
 
Von Korinth aus beginnt Johanna’s Seereise, vorbei an Delphi, Cephalon und Ithaka. Sie sieht Leucadon, Actium und das ionische Meer. In Kalabrien gelangt sie an Land. Über Crotona, weiter über Tarent gelangt sie schließlich nach Rom.
 
Dort angekommen – Papst Sergius II. war im Amt und sie gerade 24 Jahre alt – wurde sie sogleich wegen Ihrer großen Bildung, ihres Scharfsinns und ihrer Anmut hochgeschätzt. In der Abtei St. Martin außerhalb der Stadtmauern legt sie ihr klösterliches Gelübde ab und wird zum Priester ordiniert. Sie stellt sich gegen die Iconoclastiker. Sie lehrt in St. Augustin, einer griechischen Schule ersten Ranges, als Professor Theologie und Griechisch und nennt sich Johannes der Engländer. Als nach dem Tod von Sergius II. die Sarazenen Rom anzugreifen drohen, wird Leo IV. schnell gewählt, der Johanna zu seinem Vertrauten ernennt. Im erfolgreichen Kampf gegen die Sarazenen erwirbt sich Johanna mit dem Schwert in der Hand große Verdienste. Zum Schutz gegen neue Angriffe baut Leo die sog. Leonische Mauer. Nach Leo’s Tod gibt es große Intrigen und der Priester Anastasius will sich unrechtmäßig das Papstamt nehmen. Schließlich wird Johanna, also Johannes der Engländer, im Jahr 855 im Alter von 42 Jahren zum Papst Johannes VIII. gewählt.
 
Zunächst exkommuniziert sie Anastasius, Iconoclasticus und Fozio. Ethelwolf, Sohn des König Egbert’s aus Angelsachsen, und Alfred aus Dänemark kommen, ihr zu huldigen, und beschenken sie reich. Im Jahre 855, als Kaiser Lothar in Prüm stirbt, macht sein Sohn Ludwig Pavia zur Residenz und läßt sich von Johanna segnen. Nach Erreichen der höchsten Macht kommen ihr nun Erinnerungen an die frühere Zeit guter Herzensgefühle.
 
Sie verliebt sich in den sehr jungen, ‚ihrem’ Gernot sehr ähnlichen Prälaten Boldello aus Perugia oder Mugello, und sie macht ihn erst zum Bischof, dann zu ihrem Privatkammerdiener. Beim Umziehen offenbart sie ihm ihre weiblichen Reize. Sie werden von einem Gesandten Prinz Adelgiso’s von Benevento überrascht, der um Hilfe bei einem Sarazenenüberfall in der Nähe von Bali um Hilfe bittet. Johanna offenbart sich dann Boldello und nennt auch ihren wahren Namen. Obwohl schon über 40, ist sie immer noch sehr attraktiv. Und eines Nachts kommen sie sich nah. Sie treffen sich gierig jede Nacht, dann auch am Tage. Die Papstgeschäfte und die Kontrolle des päpstlichen Staatsapparates werden von ihr nun gänzlich vernachlässigt. Und dann wird sie auch noch schwanger!
 
Zwölf Jahre lang hat Gernot in Bagdad und Bassora studiert, geht aber dann vor lauter Sehnsucht nach Johanna nach Rom. In einem von einem Comascanen geführten Wirtshaus erfährt er von Johannas Aufstieg, und auch ihre Nachlässigkeit. Er ersucht bei ihr um eine Audienz – und sie erkennten sich sofort! Gernot jedoch ist sehr ungehalten über ihre Schwangerschaft und ihr schändliches Verhalten. Er beschimpft sie so sehr, daß sie mehrfach in Ohnmacht fällt. Wutentbrannt geht er davon. Er mietet sich in Rom ein, verkleidet sich und nennt sich fortan Carlo.
 
Baldello kümmert sich um die wieder erwachte Johanna, aber Johanna verfällt in eine lange Traurigkeit. Einer Geschichte nach soll der Teufel zu ihr gekommen sein und sie ihre Bestrafung wählen ließ; sie soll den Tod in Schande gewählt haben, um dem ewigen Fegefeuer zu entgehen.
 
In Rom kommt es zu großen Unwettern, der Tiber steigt über die Ufer. Dann noch eine Heuschreckenplage. Und die Pest und Hungersnöte. Das Volk ist aufgrund seiner Untätigkeit mit dem Papst unzufrieden. Daraufhin versucht Baldello, Johanna an ihre Pflicht zu erinnern. Sie läßt sodann die Litanei und eine Prozession zur Anathematisierung der Heuschrecken ausrufen.
 
An besagtem Tag, Ende Mai, führt Johanna die Prozession auf einem Maultier an, vom Vatikan zum Lateran. Dort pausieren sie wegen der übermächtigen Hitze. Um Mittag geht die Prozession weiter wieder Richtung Vatikan. Nahe des Colloseums bekommt sie plötzlich starke Schmerzen, wird bewußtlos und gebährt ein Kind, einen Sohn. Die wütende Menge will sie in den Tiber werfen. Doch Johanna stirbt an Ort und Stelle.
 
Scharen von Engel und Höllenwesen streiten um ihre Seele, und schließlich entführt der Teufel, der ihr zuvor erschienen war, ihren Körper – so sagt man. Sie wird aber an diesem Platz begraben, eine Kapelle und eine Statue dort errichtet, um ihre traurige Geschichte zu erzählen. – Man sagt weiter, lüsterne Teufel tanzen auf ihrem Grab. Gernot und Baldello schließen wegen ihrer großen Traurigkeit mit dem Leben ab und werden Einsieder. Einer Erzählung nach kommt Johanna in den Himmel, weil der Teufel sein Versprechen eingelöst hat, und sie wird dort vielleicht auch mal Päpstin. Ihr Sohn wird von Gabriel’ s Lakaien in die Vorhölle geschickt.
 
Zur Vorsorge werden später die Päpste einer Sitzprüfung unterzogen ;-) Und nachfolgende Päpste lassen Johanna unrechterweise aus den Geschichtsbüchern streichen – wo es doch soviel Schande unter anderen Päpsten gibt. Im grunde genommen ist die Päpstin Johanna doch eine Bereicherung für die Kirche!
 
Johanna, der englische Johannes, oder Johannes der Engländer, dann Johannes der Achte, begann mit 42 Jahren als Papst zu regieren, und das 2 Jahre, 7 Monate und 19 Tage lang – von 855 bis Ende Mai 857 n. Chr.

 

Warnung des 1. Übersetzers (aus dem Französischen)

15

Notiz über Abbé Casti (nach Pierre Louis Ginguené) (aus dem Französischen)

19

Vorwort des 2. Übersetzers (aus dem Englischen)

29

   

Die Frau im Heiligen Rock

 
   

Der Roman – in Deutsch

45

Der Roman – in Deutsch – mit erläuternden Fußnoten

75

   

Mehrsprachiger Teil

 
   

Teil 1

137

Teil 2

175

Teil 3

219

   

Noten zu Teil 1

269

Noten zu Teil 2

289

Noten zu Teil 3

297

   

Sprachliche Anhänge

 
   

Anhang 1a: Warnung des französischen Übersetzers – in französischer Sprache

317

Anhang 1b: Notiz über Abbé Casti – in französischer Sprache

319

Anhang 1c: Inhaltsübersicht nach Isidore Liseux – in französisch und in deutsch

322

Anhang 2: Vorwort des englischen Übersetzers – in englischer Sprache

325

   

ThematischeAnhänge

 
   

Anhang 3: Die Reisen Johannas und Gernots in der Landkarte

331

Anhnag 4: Historisches von A bis Z

341

   

Anhang 5a: Biographie von Abbé Casti

367

Anhang 5b: Buchbeschreibung und Rezensionen

369

A. Buchbeschreibung

369

X. Rezension von Werner Kraft

370

Y. Rezension von Klaus Völker

371

   

Anhang 6: Anmerkungen des Abschreibers, deutschen Übersetzers und Autors

373

Anhang 7: Inhaltszusammenfassung

377

Inhaltsverzeichnis

381

Letzte Seite

386

 

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