Sensationelle Entdeckung


Der Sitz der Hildegard
in der ehemaligen Abteikirche auf dem Rupertsberg

Binger Schriftsteller greift aufregende Entdeckung des Darmstädter Klosterrekonstrukteurs auf,
die für die Hildegardforschung und das Binger Stadtmarketing von entscheidender Bedeutung sein kann.


*

 

Der Binger Schriftsteller Michael Dietz hat zur Vorbereitung der unter „Gelebtes Bücherschreiben“ beschriebenen Exkursion am und im heutigen Haus über dem ehemaligen Platz der Klosterkirche auf dem Rupertsberg Messungen durchgeführt, um den tiefsten Kellerboden zu ermitteln und damit die Höhe der Arkaden bestimmen zu können. Dabei stieß er erstmals auf das gotische Portal an der Ostseite des Hauses und hat für sich nach dessen Funktion gefragt.


Erst in Gesprächen konnte ihm der Darmstädter Klosterrekonstrukteur Gerhard Roese den Sachverhalt vermitteln: vor 15 Jahren bereits hatte dieser herausgefunden und verkündet, daß dieses Portal Teil der ehemaligen Chorschranke ist und sich heute noch an autentisch richtiger Stelle befindet! Diese wichtige Tatsache wurde in Bingen die gesamte Zeit mißachtet.


Somit wurde durch das Zusammentreffen von Schriftsteller und Rekonstrukteur die Stelle vor Ort sozusagen wieder- entdeckt, die den Sitz der Äbtissin Hildegard im Damenchor, direkt neben dem heute noch vorhandenen Portal, darstellt ein historischer und ehrenwürdiger Ort. Nach der Benediktinerregel saß Hildegard dort mindestens 8x am Tag dem Gebet der Nonnen vor.


Würde Hildegard noch leben, könnte man ihr, auf ihrem Sitz thronend, gewissermaßen dort die Hand reichen – heute ist sie in virtueller Weise zum Greifen nah!


 


Der Grundriß des ehemaligen Klosters in Bingen am Rhein-Bingerbrück auf dem Rupertsberg, eingezeichnet in das heute Ortsbild:


/ Norden oben, rechts der Fluß Nahe /

 


/ Grundriß © Gerhard Roese, Darmstdt /

 

Zwei Ansichten aus der Zeit ~1790, die neben vielen vielen anderen als Visualisierungsgrundlage zur Rekonstruktion des Klosters und der Abteikirche dienten:

 

a) Christian Georg Schütz der Ältere, Ansicht von Nordnordwest

 

/ Spätere Nutzanbauten am Ruinenkörper /

 

 

Daraus abgeleitete Umhüllungszeichnung der Klosterkirche:




/ Rekonstruktion © Gerhard Roese, Darmstdt /

 

b) J. J. Ackermann, Ansicht von Südost


/ Gut zu erkennen: die Marienkapelle im ehemaligen südlichen Seitenschiff /

 

 

Hinweis:
Neben diesen beiden Ansichten des Klosters Rupertsberg sind in dem Buch des Autors nahezu alle verfügbaren, historischen Darstellungen des Klosters und der Klosterkirche beginnend 1510 bis heute, über 100 an der Zahl; Stiche und Zeichnungen, Malereien und Plastiken,1 dokumentarischer als auch künsterischer Art als ganzseitige Darstellungen enthalten.



Insgesamt ergibt sich bei der Rekonstruktion folgender Gesamtgrundriß der Klosterkirche Hildegards:

 


/ Die gestrichelte Linie markiert den Felsabbruch beim Eisenbahnbau 1857 /

 


/ Rekonstruktion © Gerhard Roese, Darmstdt /

 

__________

1 Eine Plastik entsteht im additiven Prozess, also durch Hinzufügen von Material, z.B. Modellieren in Ton, im Gegensatz zur Skulptur, die im subtraktiven Prozess entsteht, also durch Wegnehmen von Material, z.B. Schnitzen in Holz oder Meißeln in Stein. Die Bildhauerei umfaßt beide Methoden. Umgangssprachlich wird der Begriff Skulptur fälschlicherweise auch für 3-dimensionale Kunstobjekte aller Art, wie beispielsweise eben Plastiken, verwendet.

 

 

Eine sensationelle Entdeckung:

Der Sitz der Hildegard von Bingen

 

in der ehemaligen Abteikirche auf dem Rupertsberg

 

 

 

Wer heute nach Spuren Hildegards an ihrer ehemaligen Wirkungsstätte, dort, wo ihr Kloster auf dem Rupertsberg gestanden hatte, sucht, findet wenig. 5 Arkaden der ehemaligen südlichen Mittelschiffwand der Abteikirche im ehemals Herther’schen Haus sind alles, was von der einst stattlichen Basilika geblieben zu sein scheint. Die beiden Gewölbekeller unter dem Haus sind Anlagen, die sich zwar direkt unter Haupt- und Seitenschiff der Basilika befinden, die allerdings erst nach dem Abbruch der Reste derselben, zwischen 1819 und 1851 entstanden sein können.

 

Binger Schriftsteller macht aufregende und entscheidende Entdeckung.

 

Dem historischen Sachbuchautor Michael Dietz aus Bingen ist es zu verdanken, daß aber eine entscheidende Tatsache wieder entdeckt wurde.

 

Bei der Rekonstruktion des Klosters und der Klosterkirche 1998 im Modell ist dem Kunsthistoriker Gerhard Roese aus Darm­stadt der Nachweis gelungen, daß das spätgotische Portal im Hanggeschoß der östlichen Giebelwand des Herther’schen Hauses nicht etwa eine Spolie ist, die, irgendwo abgebaut, hier gut versteckt wieder eingebaut worden ist, sondern daß es sich bei diesem Schmuckportal um einen wesentlichen Teil der ehemaligen Klosterkirche handelt.

 

Ein Blick auf den Grundriß des heutigen Hauses, hineinprojeziert in den rekonstruierten Grundriß der Kirche, zeigt nämlich, daß die östliche Seite des heutigen Gebäudes genau auf der Mauerflucht der ehemaligen Chorschranke errichtet wurde, die den Raum für die Laien vom Chor für die Kleriker trennte. Daraus folgt, daß dieses Portal den Zutritt vom Damenchor der Nonnen zum Mittelschiff der Laien gestattet hatte und daß da­s heutige nördlich benachbarte Fenster den Standort eines gleichartigen Durchgangs markiert.

 

Das gotische Portal ist keine Spolie, sondern Teil der ehemaligen Chorschranke.

 

Somit gab es in der ehemaligen Chorschranke also nicht einen mittig angeordneten, sondern zwei Eingänge je seitlich. Die Stelle zwischen diesen beiden Portalen war früher üblicherweise der Platz des Vorsitzenden der Klostergemeinschaft. So muß es auch hier der Thron von Hildegard gewesen sein. Damit hatte Hildegard als Äbtissin dem Konvent ihres Damenklosters an der westlichen Chorseite mit Blick auf den Altar in der Apsis vorgesessen. Dies geschah zu den benediktinischen Gebetszeiten mindestens 8x am Tag.

 

Das heute sichtbare Chorschrankenportal stammt von 1498 und wurde von der damaligen Äbtissin des Rupertsberges errichtet, wie die dargestellten Wappen belegen. Es ist damit das Nachfolgeportal dessen aus der Zeit Hildegards.

 

Hildegard zum Greifen nah!

 

Nach ihrem Tode 1179 muß sich die Gruft Hildegards genau in der Mitte des Chorbereiches befunden haben, in dem sich die Nonnen unter dem Vorsitz Hildegards versammelt hatten – mitten unter ihren Nachfolgerinnen. Dieser Ort ist der Sprengung des Berges für den Bau der Nahetalbahn ~1857 zum Opfer gefallen. Man kann ihn aber noch erahnen, wenn man sich vor das erhaltene, spätgotische Portal stellt und Richtung Nahe blickt. Streckt man dabei seinen Arm nach links aus, könnte man quasi Hildegard auf ihrem Thron die Hand geben. Der damalige Kirchenboden lag etwa einen Meter tiefer.

 

Für diese Entdeckung hatte sich vor 15 Jahren noch niemand interessiert. Heute hat der vom Landkreis Mainz-Bingen mit einer dotierten Platzierung beim Ausonius-Preis ausgezeichnete Autor heimatkundlicher Literatur Michael Dietz aufgrund seines Forscherdrangs als Historiker bei den Recherchen für sein bald im Ascher­mittwoch-Verlag erscheinendes Werk über die damaligen und heutigen Orte der größten Tochter der Stadt festgestellt, daß dieser wichtige Tatbestand vollkommen unbeachtet geblieben ist.

 

Sitz der Hildegard wertet Binger Historienbestände und Marketingpotential dramatisch auf: Diese Sensation muß an die Öffentlichkeit.

 

Durch seinen Kontakt zu dem damaligen Rekonstrukteur Roese wurde dieser Mißstand aufgedeckt. Nach anfänglichem Staunen war der Schriftsteller überzeugt: Das muß an die Öffentlichkeit! Der Sitz der Heiligen Hildegard – das ist ein einzigartiger Ort, der niemandem, der sich für Hildegard interessiert und nach Bingen kommt, vorenthalten bleiben darf! Das große Verdienst des Autors Michael Dietz ist es, heute – 15 Jahre später – erkannt zu haben, welch herausragende Bedeutung die damalige Entdeckung des Rekonstrukteurs Gerhard Roese für die Hildegardforschung hat.

 

( © Presseartikelentwurf von Michael Dietz, Bingen, und Gerhard Roese, Darmstadt )

 

 

Kunsthistorische Beschreibung

des spätgotischen Portals


von Gerhard Roese

 

Sandsteinernes, oben gerade abgeschlossenes, reich profiliertes, spätgotisches, nach Osten weisendes Portalgewände. Das Portal wird von einem flachen Kielbogen mit Verstabungen überfangen und von strebepfeilerartigen, im oberen Drittel unter Kaffgesimsen mit Fialen besetzten, diagonal zur Portalfläche aus der Fläche hervortretenden Profilstäben flankiert.

 

Über den Schultern des Kielbogens finden sich weitere Fialen, die den oberen Bereich des Portalgewändes seitlich abschließen. Die Spitze des krabbenbesetzten Kielbogens ist zu einem Stamm ausgezogen, der oben von einer Kreuzblume abgeschlossen wird. Der Bereich zwischen den Fialen, oberhalb des Bogens wird durch 13 hochrechteckige, schmale spitzbogige, 3-passige Blend-Maßwerksfelder gegliedert, von denen die äußeren von den Fialen fast und das mittlere durch die Bekrönung des Kielbogens gänzlich verdeckt werden.

 

Vor diesem Maßwerk sitzen flächig 2 diagonal ausgerichtete heraldische Schilder. Das südliche weist mit dem unteren Ende nach oben, das gegenüberliegende nach unten. Es handelt sich hierbei im Süden um das Wappen derer von Breidenbach. 2 kurze parallele Balken, deren Enden mäanderartig zu paarig, spiegelbildlich, senkrecht nach oben und nach unten weisenden Voluten verkröpft sind, bilden das eine der beiden heraldischen Zeichen. Das andere ist ein großes „Z“, eine Wolfsangel. Diese beiden Symbole sind je 2-fach schachbrettartig auf dem Wappenschild angeordet.

 

Das Portal ist das südliche von ehemals 2 Chorschranken- portalen der Basilika des ehemaligen Klosters auf dem Rupertsberg. Es ist von einem gleichartigen 2. Portal an der Stelle aus zu gehen, an der heute nur ein einfaches, späteres Fenster in dem die Kirchenruine teilweise überbauenden heutigen Haus existiert.

 

An Stelle dieser gotischen Portalgewände dürften zuvor romanische Portalgewände aus der Erbauungszeit der Klosterkirche eingebaut gewesen sein. Zwischen diesen beiden Chorschrankenportalen, vor der Ostseite der zugehörigen Chorschranke, muß der Äbtissinennsitz im Chorgestühl angenommen werden, mithin der Ort, an dem einst die Gründerin des Klosters, Hildegard von Bingen, ihren Sitz im Chor der Stiftsdamen hatte.

 


Der damalige Damenchor:


Links die Chorschranke, eingezeichnet das noch vorhandene Chorschrankenportal in orange, darüber der Sitz der Äbtissin in violett mit Blick nach Osten zum Altar hin. Das dargestelle Chorgestühl bietet Platz für 48 Nonnen und die Äbtissin. Links außerhalb des Bildes befindet sich der Laienbereich im Hauptschiff der Kirche. In Bildmitte ist die Stelle der Gruft eingezeichnet, in der Hildegard nach ihrem Tod beigesetzt war. Rechts außerhalb des Bildes befindet sich der Hochaltar und die Apsis, darunter die Krypta als zusätzlicher Gebetsort.

 


/ Rekonstruktion © Gerhard Roese, Darmstdt /

 

Blick in den Damenchor als 3D-Darstellung:


Links das noch erhaltene Chorschrankenportal in orange, rechts eine Arkade der nördlichen Hauptschiffwand. In der Mitte in violett der Sitz der Hildegard.


/ Rekonstruktion © Gerhard Roese, Darmstdt /

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Sicht auf das heutige Gebäude vom gegenüber- liegenden Naheufer, von Bingen aus. Der Blick ist gegen Westen gerichtet.

 

Unter dem 2. Fenster von rechts kann man das obere Ende des Portals erkennen, rechts daneben eingezeichnet der Sitz der Hildegard.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Sitz der Hildegard vom naheseitigen Vorplatz des Hauses aus gesehen, nach Norden schauend.

 

– Stellt man sich vor das Portal und schaut (nach rechts) Richtung Nahe und Bingen, und streckt dann seinen Arm nach links aus, könnte man sozusagen Hildegard die Hand reichen. Der Standort liegt heute etwa 1 Meter über dem damaligen Niveau des Chor- bodens.

 

 

 

 

 


Blick aus dem 1. Stock des heutigen Hauses nach unten auf den ehemaligen Chorbereich. Orange eingezeichnet ist das noch erhaltene Chorschrankenportal, links daneben in gelb der Sitzbereich im Chor am Westende. In der Mitte davon ist der Sitz der Äbtissin, der Sitz der Hildegard anzunehmen.

Oben im Bild sind die Schienen der Nahetalbahn. Die elektrische Oberleitung diente zum Umsetzen der Lokomotiven der Personenzüge, die aus Koblenz kamen. Heute wird sie schon seit Jahren nicht mehr benötigt, da die Züge nicht mehr aus Lok und Wagen bestehen, sondern als Triebzüge ausgebildet sind, die vorwärts wie rückwärts gleichermaßen fahren können. Die Oberleitung endet ~100 Meter weiter südlich (rechts). Die Nahetalstrecke selbst ist nicht elektrifiziert.

Auch auf diesem Bild kann man gut sehen, wie nah sich doch der Sitz der Hildegard an dem noch erhaltenen Chorschrankenportal befindet...


Hier zunächst der Teaser auf der Titelseite der Tagesausgabe der Allgemeinen Zeitung Mainz, Ausgabe Ingelheim|Bingen:

 

 


 

Rechts zu sehen ist der gesamte Zeitungsartikel, der aber ver- kleinert gezeigt ist. Weiter unten gibt es die Möglichkeit, die einzelnen Artikelpassagen in vergrößerter, besser lesbarer Dar- stellung anzusehen. Scrollen Sie bitte deshalb bis unterhalb der Gesamtansicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Vorstellung des Geschichtsprojektors in der in der Allgemeinen Zeitung Bingen vom 15. März 2013

 

 

 


Antwort-Artikel in der in der Allgemeinen Zeitung Bingen vom 20. Juli 2013

Rekonstruktion


/ Zum Vergrößern bitte das Bild anklicken. /

 


Online-Lesernachricht in der Allgemeinen Zeitung Bingen vom 20. Juli 2013

Inanspruchnahme des gotischen Portals für die Hildegardzeit

 

Natürlich kann das eine erhaltene, von ehemals zwei gotischen Portalen des westlichen Zugangs zum Damenchor der Klosterkirche auf dem Rupertsberg von niemandem für die Hildegardzeit in Anspruch genommen werden, weil es gut 300 Jahre später entstanden ist.

 

Es ist aber davon aus zu gehen, daß das erhaltene, gotische Portalgewände eines von ehemals zwei älteren, wahrscheinlich sehr viel einfacheren romanischen Portalgewänden aus der Zeit Hildegards ersetzt. Zwischen diesen beiden Chorzugängen, mit direktem Blick nach Osten auf den Hochaltar, dürfte sich der Sitz der Äbtissin befunden haben. Mithin auch jener der ersten Äbtissin: Hildegard von Bingen.

 

Für die Hildegardzeit wird also nicht das gotische Portal in Anspruch genommen, sondern lediglich die Stellen, an denen sich die beiden westlichen Zugänge zum Damenchor befunden hatten.

 

Folge-Artikel in der in der Allgemeinen Zeitung Bingen vom 27. Juli 2013

 

Zusatz-Artikel in der in der Allgemeinen Zeitung Bingen vom 8. August 2013

 


Rückblick auf das Gucki-Jahr in der in der Allgemeinen Zeitung Bingen vom 30. August 2013

 

 

Zusatz-Artikel in der in der Allgemeinen Zeitung Bingen vom 18. Dezember 2013

 

Presee

 


/ Zum Vergrößern bitte das Bild ? anklicken. /

 

Presse


/ Zum Vergrößern bitte jeweils ? oder ? das Bild anklicken. /

 

Presse


Zusatz-Artikel in der in der Allgemeinen Zeitung Bingen vom 18. Dezember 2013

 

 

Rekonstruktion


/ Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken. /


 


Vor allem die Gestalt der Klosterkirche auf dem Rupertsberg
rückte in den Fokus
!!

 

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